Flugzeugabsturz – Verhinderung der anderen Piloten an der Arbeitsleistung

Deutschland befindet sich nach dem tragischen Flugzeugunglück gestern in Südfrankreich noch immer im Schockzustand. Die deutschen Airlines gelten als besonders zuverlässig und sind in ihrer langen Geschichte bisher von schweren Unglücken verschont geblieben. Das Mitgefühl aller gilt in erster Linie den Hinterbliebenen.

Der Absturz geht auch an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – Piloten und Bordpersonal – der Airlines nicht spurlos vorbei. Auf Grund des regelmäßigen Wechsels bei den Crews, kennt man sich zumeist sehr gut. Aus den Medien war deshalb auch zu vernehmen, dass einzelne Piloten und Crewmitglieder sich außer Stande sahen, vor dem Hintergrund der Ereignisse, ihre Arbeitsleistung an Bord eines Flugzeuges zu erbringen – sei es, auf Grund des Schocks und der Trauer um die Kollegen, oder aus Sorge um die Sicherheit des Flugzeugs. Primär dürfte wohl erstgenanntes der Auslöser sein.

Juristisch betrachtet, stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob ein Arbeitnehmer in einer solchen psychischen Ausnahmesituation zur Erbringung seiner Arbeitsleistung verpflichtet ist. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) enthält seit dem 19. Jahrhundert eine Vorschrift, die es dem Arbeitnehmer ermöglicht, ohne Verlust des Entgeltanspruchs die Arbeitsleistung für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit ruhen zu lassen, sofern er aus in seiner Person liegenden Gründen an ihrer Erbringung gehindert ist, § 616 BGB. Es muss dem Arbeitnehmer aus übergeordneten sittlichen oder rechtlichen Gründen unzumutbar sein, seine Arbeitsleistung zu erbringen. Die Gründe müssen aus der persönlichen Sphäre des Arbeitnehmers stammen. Der klassische Schulfall hierzu ist die Erkrankung des minderjährigen Kindes. 
Auch Piloten, die sich auf Grund außergewöhnlicher Ereignisse einem Schockzustand befinden, der noch nicht die Grenze zur Krankheit überschritten hat, und die sich deshalb außer Stande sehen, ein Flugzeug zu steuern, können sich – sofern keine anderweitige vertragliche, betriebliche oder tarifliche Regelung besteht – auf § 616 BGB berufen. Je nach Umfang des Schockzustandes wären die Piloten zudem auch rechtlich bereits verpflichtet, bei Zweifeln an der Flugtauglichkeit, das Steuern eines Flugzeuges zu unterlassen.

Dr. Christian Velten
Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Gießen

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