Smiley „:-(“ im Zeugnis als persönliche Note des Arbeitgebers?

Rechtsanwalt Arbeitsrecht Eltville Gießen Wiesbaden Wetzlar

Stichworte: Zeugnis

Zeugnisstreitigkeiten gehören trotz ihrer gesunkenen Bedeutung im Bewerbungsverfahren immer noch zum arbeitsrechtlichen Alltag. Vielfach geht es dort um die Zeugnisnote oder um einzelne inhaltliche Formulierungen, mit denen der Arbeitnehmer nicht einverstanden ist. Eine Entscheidung des ArbG Kiel zeigt, dass es aber auch fernab des eigentlichen Inhalts des Zeugnisses zu Streitigkeiten kommen kann. Im dort entschiedenen Fall hatte ein Arbeitgeber ein Zeugnis nicht nur mit seiner Unterschrift, sondern diese auch noch mit einem negativen Smiley versehen („:-(„). Handelt es sich hierbei nun um ein unzulässiges Geheimzeichen? Der Arbeitgeber hatte argumentierte, er unterschreibe immer mit einem, ansonsten freilich positiven, Smiley („:-)“). Ein Ausdruck der Missachtung liege darin nicht.

Das ArbG Kiel folgte dem nicht und verurteilte den Arbeitgeber dazu, das Zeugnis des Arbeitnehmers neu auszufertigen und seine Unterschrift mit einem positiven Smiley zu versehen. Das negative Smiley hielt das ArbG für geeignet, die positive inhaltliche Aussage des Zeugnisses zu revidieren. Da der Arbeitgeber nach seinem eigenen Vortrag immer mit einem positiven Smiley unterschreibe, müsse er dies auch im Zeugnis des Arbeitnehmers so handhaben.

Arbeitgebern muss generell geraten werden, Zeugnisse nicht mit unüblichen Zeichen zu versehen, da hierdurch schnell der Verdacht eines Geheimzeichen enstehen kann. Ob ein negatives Smiley tatsächlich geeignet ist, eine positive inhaltliche Aussage über den Arbeitnehmer zu entkräften, kann man durchaus bezweifeln. Üblicherweise enthalten Abschlusszeugnisses einen Ausdruck des Bedauerns über das Ausscheiden des Arbeitnehmers. In einem solchen Fall dürfte das negative Smiley eher dieses Bedauern unterstreichen.

Rechtsanwalt Dr. Christian Velten – Arbeitsrecht Gießen / Eltville

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