Entschädigungsanspruch wegen Altersdiskriminierung nach AGG gegenüber Personalberater?

Nicht selten sieht sich der Personalberater innerhalb des Recruitingprozesses damit konfrontiert, dass der Mandant eine sehr genaue Vorstellung von seinem Wunscharbeitnehmer hat. Er schaltet den Personalberater ein, um für dieses Problem eine Lösung zu finden. Wenn nun allerdings schon zusätzlich finanzielle Mittel in eine solche Suche investiert werden, sind die Erwartungen des Mandanten an den Berater entsprechend hoch. Dass die Arbeit des Personalberaters aber dabei auch gerade darin besteht, mit den Grenzen des Möglichen zu kämpfen, wird bei der Suche nach besonders spezialisierten Kandidaten sehr deutlich. 
Er befindet sich zunehmend in einer misslichen Lage: Auf der einen Seite möchte und muss er die Vorstellungen des Mandanten erfüllen, sich auf der anderen Seite an die Gleichbehandlungsvorschriften von Bewerbern nach dem AGG halten. Eine Rolle spielte dabei bislang insbesondere die wirtschaftlich begründete Unsicherheit vor etwaigen Schadensersatzforderungen abgelehnter Kandidaten nach dem AGG wegen Diskriminierung. 
Mit Urteil vom 23. Januar 2014 (8 AZR 118/13) hat das BAG nun entschieden, dass zumindest kein direkter Entschädigungsanspruch nach § 15 Abs. 2 AGG gegen den Personalberater bestehen kann. Im entschiedenen Fall klagte ein Diplom-Betriebswirt mit mehrjähriger Berufserfahrung gegen eine Personalberatung eines Unternehmens. Dieser hatte sich 2011 auf eine von dieser ausgeschriebenen Stelle beworben und eine Absage erhalten, die er auf sein Alter zurückführte. Seiner Auffassung nach habe er einen entsprechenden Entschädigungsanspruch gem. § 15 Abs. 2 AGG gegen die Personalberatung des Unternehmens. 
Das BAG entschied nun, dass ein Anspruch auf Entschädigung eines immateriellen Schadens nach § 15 II AGG nur gegen den Arbeitgeber selbst gerichtet werden kann. Ein Anspruch besteht gegen die Personalberatung als solche nicht, da der Kläger nicht bei dieser, sondern bei dem von ihr vertretenen Mandanten als Arbeitnehmer tätig geworden wäre. Ob allerdings andere Ansprüche gegen die Personalberatung bestehen, hatte das BAG im vorliegenden Fall nicht zu entscheiden. Insofern ist festzustellen, dass Recruiter zumindest hinsichtlich möglicher Verstöße gegen § 15 Abs. 2 AGG aufatmen und dies in der Zusammenarbeit mit ihrer Mandantschaft entsprechend kommunizieren sollten. Da bislang allerdings nicht klar ist, welche weiteren Ansprüche dennoch auch gegen zwischengeschaltete Personalberatung geltend gemacht werden können, ist von Leichtsinnigkeit bei diesem Thema nicht nur zum Schutze des Mandanten weiterhin selbstverständlich deutlich abzusehen.
Christina Diegel

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